Welche Rolle die Angst in der Arbeit als investigativer Journalist spielt.

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“Warum schreibst du nicht einfach schöne Geschichten? Dann bist du sicher.“ Wenn ich mit Verwandten und Freunden spreche, höre ich diese Aussage sehr oft. Und sie ist wahr: Als Journalist kann man auch mit Storys über die Krise von Borussia Dortmund und einem Nachruf auf Harald Juhnke Geld verdienen, und dafür wird dir niemand an den Kragen wollen. Bloß: Mich persönlich reizt das nicht, mich reizen Missstände, die Aussicht auf eine Veränderung zum Guten durch Berichterstattung - sei es hinsichtlich der Menschenrechte auf Kuba, der Arbeitssklaven in Katar, der Bundeswehr in Afghanistan, der als Fifa-Funktionäre getarnten Kriminellen rund um den Globus oder dem Mafia-Staat Malta. Um zu diesen Themen zu recherchieren, muss ich mich zwangsläufig in Gefahr begeben. Es gibt keine Alternative, und deswegen lasse ich mich von der Angst nicht steuern. Es bringt ja nichts. Was etwas bringt, sind Sicherheitsmaßnahmen und eine Gefahrenabwägung vor der Frage: Ist diese oder jene Geschichte das Risiko wert?

Sein erstes Geld mit Journalismus verdiente Tim Röhn an seinem 16. Geburtstag: mit einem Artikel über ein Fußballspiel für das Solinger Tageblatt. Seit dem war er tätig für die Rheinische Post, BILD, WELT, WELT am SONNTAG, SPIEGEL ONLINE, SPIEGEL und verschiedene nationale Medien. Außerdem gibt er Seminare zu investigativer Recherche an der Axel Springer Akademie. Tim Röhn ist gebürtiger Düsseldorfer, Wahlkölner und Fortunafan.

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